Weidenhof Worpswede
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 Natur in Haus und Garten
 

Toni - die blauschwarze Holzbiene

blauschwarze Holzbiene vor Brutröhre

Hallo, ich bin Toni (genauer gesagt Antonia Victoria Pencel), eine Blauschwarze Holzbiene.
Wenn du mich zum ersten Mal siehst, hältst du mich vielleicht für eine riesige Hummel. Aber schau einmal genauer hin: Mein Körper ist fast schwarz und meine großen Flügel schimmern blau bis violett, wenn das Licht darauf fällt.
Mit bis zu 3 Zentimetern Körperlänge gehöre ich zu den größten Wildbienen, die du bei uns entdecken kannst.
Mein richtiger Name ist Blauschwarze Holzbiene – Xylocopa violacea.

🐝 Wann kannst du Toni entdecken?

Tonis Jahr sieht ganz anders aus als das von Berta. Denn Toni verbringt den Winter bereits als fertige Holzbiene.
🌱 Frühjahr – Toni ist wieder unterwegs
Wenn die ersten wärmeren Frühlingstage kommen, verlassen die Holzbienen ihre Winterquartiere.
Jetzt brauchen sie vor allem eines: Blüten mit Nektar und Pollen.
In dieser Zeit treffen sich auch Männchen und Weibchen und paaren sich.
🪵 Frühjahr – jetzt wird gebaut
Nach der Paarung sucht das Weibchen einen geeigneten Platz für sein Nest.
Und hier zeigt sich ein großer Unterschied zu Berta:
Toni sucht nicht einfach nach einer fertigen Röhre – sie kann sich ihre Wohnung selbst bauen.
Mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen nagt sie einen Gang in geeignetes Totholz. Das ist richtige Schwerstarbeit.
☀️ Sommer – in Tonis Nest wächst die nächste Generation heran
In den einzelnen Kinderzimmern entwickeln sich aus den Eiern Larven. Sie fressen den Pollenvorrat, wachsen, verpuppen sich und werden schließlich zu fertigen Holzbienen.
🌻 Spätsommer – die jungen Holzbienen kommen heraus
Noch im selben Jahr verlassen die jungen Holzbienen ihre Kinderzimmer.
Jetzt besuchen sie Blüten und suchen später einen geschützten Platz für den Winter.

🪵 Wo wohnt Toni?

Toni trägt ihren Namen nicht zufällig.
Holzbienen bauen ihre Nester in Holz.
Besonders interessant sind für sie abgestorbene, möglichst trockene und sonnig gelegene Holzstücke – zum Beispiel dickere abgestorbene Äste oder Stämme.
Mit ihren kräftigen Mandibeln beginnt das Weibchen, einen Gang in das Holz zu nagen.
Dabei entstehen kleine Holzteilchen.
Und die werden nicht einfach weggeworfen.
Toni kann sie gleich als Baumaterial gebrauchen.

🥚 Toni baut Kinderzimmer aus Holz

Querschnitt einer Brutrühre der blauschwarzen Holzbiene

Auch Tonis Nachwuchs wächst in einzelnen Kinderzimmern auf.
Zuerst sammelt das Weibchen Pollen und Nektar und bringt die Nahrung in das Nest.
Dann legt es ein Ei dazu.
Anschließend wird das Kinderzimmer verschlossen.
Dafür verwendet Toni zerkaute Holzteilchen, die sie mit Speichel vermischt.
Hinter der Wand entsteht das nächste Kinderzimmer.
So liegen schließlich mehrere Brutzellen hintereinander im Holz.
Berta und Toni sind also beide Baumeisterinnen – aber mit völlig unterschiedlichen Materialien:
Berta baut mit Lehm.
Toni baut mit Holz.

🌸 Welche Pflanzen braucht Toni?

Blumenbeet mit einheimischen Blumen, Totholz und Steinen

Bei ihrer Nahrung ist Toni ziemlich vielseitig.
Die Blauschwarze Holzbiene besucht viele verschiedene Blütenpflanzen. Deshalb ist für sie besonders wichtig, dass sie vom Frühjahr bis in den Spätsommer immer wieder blühende Pflanzen findet. Besonders freut sie sich, wenn sie einheimische Pflanzen findet. Diese kennt sie gut und weiß, welche besonders lecker sind.
Und Toni hat einen besonderen Trick.
Manche Blüten sind so tief, dass sie mit ihrem Rüssel nicht an den Nektar gelangt.
Dann kann Toni von außen ein kleines Loch in die Blütenröhre beißen und den Nektar auf diesem kürzeren Weg erreichen.
Wenn du eine Blüte mit einem kleinen Loch an der Seite findest, könnte dort also eine Holzbiene gewesen sein.

🌳 Worüber freut sich Toni in deinem Garten?

Ein Garten für Toni darf ruhig ein bisschen wild sein.
Besonders wertvoll sind dickes, sonnig liegendes Totholz, abgestorbene Äste und Stämme, ungestörte Bereiche und viele unterschiedliche Blüten vom Frühjahr bis zum Spätsommer.
Dabei ist wichtig:
Ein paar dünne Bambusröhrchen in einer Wildbienennisthilfe ersetzen Tonis Lebensraum nicht.
Toni braucht vor allem geeignetes Holz, in das sie selbst ihre Nistgänge nagen kann.
Ein alter abgestorbener Stamm kann deshalb für sie viel wertvoller sein als ein perfekt aufgeräumter Garten.

❄️ Und wo ist Toni im Winter?

Hier unterscheidet sich Toni ganz besonders von Berta.
Berta verbringt den Winter noch geschützt in ihrem Kokon in der Brutzelle.
Toni ist zu dieser Zeit bereits aus ihrem Geburtsnest herausgekommen.
Die jungen Holzbienen suchen sich im Herbst geschützte Hohlräume, Spalten oder andere geeignete Verstecke.
Dort verbringen sie den Winter als fertige erwachsene Bienen.
Sie fressen dort nicht den ganzen Winter weiter, sondern verbringen die kalte Zeit weitgehend in Ruhe.
Wird es an einem Wintertag ungewöhnlich warm, kann es sogar passieren, dass eine Holzbiene kurz ihr Versteck verlässt.
Im nächsten Frühjahr beginnt dann ein neues Holzbienenjahr.

🔎 Deine Toni-Aufgabe

Geh einmal mit Tonis Augen durch euren Garten.
Findest du irgendwo einen dicken abgestorbenen Ast oder einen alten Baumstamm?
Liegt das Holz sonnig oder versteckt es sich im tiefen Schatten?
Und findest du vom Frühjahr bis zum Spätsommer immer wieder neue Blüten?
Schau dir altes Totholz einmal genauer an. Vielleicht entdeckst du sogar ein auffallend rundes Loch, das in einen Gang im Holz führt.
Und wenn plötzlich eine große schwarze Biene mit blauviolett glänzenden Flügeln durch den Garten fliegt:
Vielleicht ist Toni gerade auf Wohnungssuche.