Direkt zu den Kletterpflanzen ↓ nach unten scrollen
Kletterpflanzen gehören auf dem Weidenhof schon lange zum Gartenbild. Wein wächst als grünes Sonnendach über einem Hofbereich, Hopfen begrünt eine Hauswand und spendet im Sommer Schatten. An anderen Stellen wachsen Efeu, die heimische Gewöhnliche Waldrebe und die Feldrose in die Höhe. Jede dieser Pflanzen nutzt den vorhandenen Raum auf ihre eigene Weise.
Dabei zeigt sich ganz praktisch, wie viel Grün auf einer kleinen Bodenfläche entstehen kann. Kletterpflanzen begrünen Wände, Zäune, Pergolen und Rankgerüste, schaffen schattige Plätze und bieten je nach Art Nahrung und Schutz für Insekten und Vögel. So entstehen auch dort lebendige Gartenbereiche, wo für einen Baum oder eine breite Hecke kaum Platz vorhanden ist.
Gerade in kleinen Gärten, Höfen und dicht bebauten Bereichen erschließen Kletterpflanzen Flächen, die sonst ungenutzt bleiben würden. Ihr Laub kann direkte Sonneneinstrahlung abfangen und verhindern, dass sich Wände, Fenster und Sitzplätze im Sommer zu stark aufheizen. Durch die Verdunstung von Wasser tragen die Pflanzen außerdem zu einem angenehmeren Mikroklima in ihrer unmittelbaren Umgebung bei.
Je nach Pflanzenart bieten ihre Blüten Nektar und Pollen für Insekten. Früchte und Samen dienen verschiedenen Tieren als Nahrung, während dichtes Blattwerk Schutz, Verstecke und teilweise geeignete Nistplätze schafft.
Grüner Sonnenschutz – Schatten, der mitwächst
Kletterpflanzen können im Sommer zu einem lebendigen Sonnenschutz werden. An Rankgerüsten vor Hauswänden, an Pergolen oder über Sitzplätzen bilden kräftig wachsende Arten eine große Blattfläche. Sie hält einen Teil der direkten Sonneneinstrahlung von Wand, Fenster oder Aufenthaltsbereich fern und sorgt gleichzeitig für lebendiges Grün auf wenig Grundfläche.
Hopfen (Humulus lupulus) eignet sich dafür besonders gut. Die heimische Kletterpflanze kann mehrere Meter hoch wachsen und benötigt eine Rankhilfe, an der sich ihre Triebe emporwinden. Im Herbst sterben die oberirdischen Triebe ab und im Frühjahr treibt der Hopfen aus dem Wurzelstock wieder neu aus. Damit kann er im Sommer üppigen Schatten schaffen, während die Wintersonne nicht durch ein dauerhaftes Blätterdach ausgesperrt wird.
Hopfen – aktuell auf dem Weidenhof erhältlich
Eine begrünte Hauswand ist nicht nur für uns Menschen schön. Kletterpflanzen können zusätzliche Lebensräume schaffen, gerade dort, wo im Garten wenig Platz zur Verfügung steht. Blüten bieten je nach Pflanzenart Nahrung für Insekten, dichtes Blattwerk schafft Deckung und Früchte oder Samen können verschiedenen Tierarten als Nahrung dienen.
Besonders wertvoll wird eine begrünte Fassade, wenn verschiedene Strukturen zusammenkommen: Kletterpflanzen, Nistkästen, kleine Spalten und geschützte Bereiche können aus einer ansonsten kahlen Hauswand einen lebendigen Teil des Gartens machen.
Kletterpflanzen haben ganz unterschiedliche Strategien entwickelt, um in die Höhe zu gelangen. Welche Rankhilfe gebraucht wird, hängt deshalb von der jeweiligen Pflanze ab. Wer das schon bei der Planung berücksichtigt, erleichtert der Pflanze das Klettern und verhindert später unnötige Probleme an Fassade oder Rankgerüst.
Selbstklimmer haften selbstständig am Untergrund. Der bekannteste heimische Vertreter ist der Efeu (Hedera helix). Er benötigt an einer geeigneten, intakten Fassade keine zusätzliche Rankhilfe. Gerade bei älteren oder beschädigten Fassaden sollte vorher aber geprüft werden, ob eine direkte Begrünung sinnvoll ist.
Schlinger oder Winder wickeln ihre Triebe um eine Stütze. Dazu gehören beispielsweise Hopfen (Humulus lupulus) und Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum). Sie brauchen senkrechte oder entsprechend aufgebaute Rankhilfen, etwa Seile, Stäbe oder schmale Gitter.
Ranker halten sich mit speziellen Blatt- oder Sprossorganen an dünnen Strukturen fest. Die Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba) gehört zu den Blattstielrankern und benötigt ein ausreichend feingliedriges Rankgerüst, das sie mit ihren Blattstielen umfassen kann.
Spreizklimmer besitzen keine eigentlichen Kletterorgane. Ihre langen Triebe verhaken oder stützen sich in anderen Pflanzen und Strukturen ab. Dazu gehören Brombeeren (Rubus fruticosus agg.). An einer Hauswand müssen ihre Triebe deshalb geführt und befestigt werden.
Standort: sonnig bis halbschattig; je nach Art/Form auf unterschiedlichen Böden
Wuchs: kräftige, lange und häufig bogig überhängende Triebe
Kletterart: Spreizklimmer
Rankhilfe: an Wand oder freistehendem Gerüst erforderlich; die Triebe müssen geführt bzw. angebunden werden
Blüte: meist Mai bis August, weiß bis rosa
Nutzen für Tiere: Die offenen Blüten werden von zahlreichen Insekten besucht. Die Früchte sind Nahrung für Vögel und andere Tiere. Dichte, bestachelte Bestände bieten außerdem Deckung und geschützte Strukturen. Der NABU führt Brombeeren sowohl als Nahrungspflanze als auch als mögliche Nistplatzpflanze für Vögel.
Geeignet für: Zäune, robuste Rankgerüste, Grundstücksgrenzen und naturnahe Sichtschutzbereiche.
Wichtig bei der Pflanzung:
Brombeeren sind für eine klassische Hausfassade nur bedingt geeignet. Sie müssen geführt werden und viele Formen können sich durch Ausläufer oder bewurzelnde Triebspitzen kräftig ausbreiten. Bestachelte Formen nicht unmittelbar an Türen, schmale Wege oder Sitzplätze pflanzen.
Echter Hopfen – Humulus lupulus Verfügbarkeit prüfen →
Standort: sonnig bis halbschattig; bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige und ausreichend feuchte Böden
Wuchs: sehr starkwüchsige, mehrjährige Kletterstaude; die oberirdischen Triebe wachsen jedes Jahr neu und können mehrere Meter Höhe erreichen
Kletterart: rechtswindender Schlinger/Winder
Rankhilfe: erforderlich; besonders geeignet sind senkrechte Seile, Stäbe und stabile Rankgitter
Blüte: etwa Juli bis August
Nutzen für Tiere: Der dichte sommerliche Bewuchs schafft Deckung und zusätzliche Struktur.
Geeignet für: Pergolen, Fassaden mit Rankhilfe, hohe Zäune, Sichtschutz und besonders für sommerlichen Sonnenschutz. Die Bayerische Landesanstalt beschreibt Hopfen ausdrücklich als geeignete Pflanze für Pergolen und Fassadenbegrünung.
Wichtig bei der Pflanzung:
Hopfen wächst ausgesprochen kräftig und entwickelt einen langlebigen Wurzelstock. An Haus, Terrasse, Pergola oder in kleineren Beeten würde ich deshalb eine ausreichend dimensionierte Wurzel- bzw. Rhizomsperre empfehlen, wenn seine Ausbreitung begrenzt bleiben soll. Die oberirdischen Triebe sterben im Herbst ab und können entfernt werden. Im Frühjahr treibt die Pflanze neu aus.
Besonderer Vorteil: Im Sommer entsteht viel Blattmasse und Schatten, während im Winter wieder Licht und Sonne durchkommen.
Efeu – Hedera helix Verfügbarkeit prüfen →
Standort: halbschattig bis schattig; an geeigneten Standorten auch heller
Wuchs: immergrün, verholzend und sehr langlebig; kann große Höhen und Flächen erreichen
Kletterart: Selbstklimmer mit Haftwurzeln
Rankhilfe: an einer geeigneten Fassade nicht erforderlich
Blüte: spät im Jahr, etwa September bis Oktober
Nutzen für Tiere: Die ungewöhnlich späte Blüte ist eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Insekten. Die später reifenden Früchte werden von Vögeln gefressen. Das immergrüne, dichte Laub bietet außerdem ganzjährig Deckung und kann Nistmöglichkeiten schaffen.
Geeignet für: größere Hauswände, Mauern und andere robuste Flächen; besonders interessant für eine immergrüne Fassadenbegrünung.
Wichtig bei der Pflanzung:
Efeu sollte nur an intakten und dafür geeigneten Fassaden direkt hochwachsen. Risse, offene Fugen und schadhafter Putz können problematisch werden. Fenster, Rollläden, Dachrinnen und Dachbereiche müssen durch regelmäßigen Rückschnitt freigehalten werden.
Standort: halbschattig bis sonnig; bevorzugt eher basenreiche Standorte
Wuchs: niederliegend bis kletternd; lange, mit hakigen Stacheln versehene Triebe
Kletterart: Spreizklimmer
Rankhilfe: für eine gezielte vertikale Begrünung sinnvoll; Triebe können an Zäunen und Rankgittern geführt werden
Blüte: Juni bis Juli, weiß mit auffälliger gelber Mitte
Nutzen für Tiere: Die ungefüllten Blüten sind für Insekten zugänglich. Später entstehen Hagebutten als zusätzliche Nahrungsquelle. Der dichte und bestachelte Wuchs schafft zudem geschützte Bereiche.
Geeignet für: naturnahe Zäune, niedrigere Rankgerüste, Mauern, Böschungen und Übergänge zwischen Hecken und vertikaler Begrünung.
Wichtig bei der Pflanzung:
Die Feldrose erklimmt eine glatte Wand nicht selbstständig. Ihre langen Triebe müssen geführt werden. Wegen der Stacheln nicht unmittelbar an Türen oder sehr engen Durchgängen pflanzen.
Besonderheit: Die Feldrose wird in Deutschland auf der Vorwarnliste der Roten Liste geführt.
Gewöhnliche Waldrebe – Clematis vitalba Verfügbarkeit prüfen →
Standort: sonnig bis halbschattig; bevorzugt nährstoffreichere und eher kalkhaltige Böden
Wuchs: sehr starkwüchsige verholzende Kletterpflanze; unter günstigen Bedingungen können die Triebe enorme Ausmaße erreichen
Kletterart: Blattstielranker
Rankhilfe: erforderlich; ausreichend feingliedrig, damit die Blattstiele sie umfassen können, gleichzeitig sehr stabil
Blüte: etwa Juni bis August, zahlreiche weißliche Blüten
Nutzen für Tiere: Die zahlreichen Blüten werden von Insekten besucht. Große Pflanzen schaffen mit ihrem dichten Bewuchs zusätzlich Deckung und Struktur.
Geeignet für: große Rankgerüste, robuste Pergolen, Zäune und größere Fassadenflächen mit Rankhilfe.
Wichtig bei der Pflanzung:
Die Gewöhnliche Waldrebe ist keine kleine Garten-Clematis. FloraWeb gibt Wuchshöhen bis etwa 30 m an. Sie benötigt viel Platz, eine belastbare Konstruktion und gegebenenfalls regelmäßigen Rückschnitt. Für kleine Fassaden oder empfindliche Konstruktionen würde ich sie nicht empfehlen.
Wald-Geißblatt – Lonicera periclymenum Verfügbarkeit prüfen →
Standort: halbschattig bis sonnig; bevorzugt mäßig frische bis feuchte, eher kalkarme Standorte
Wuchs: mehrjährige, verholzende und kräftige Kletterpflanze
Kletterart: Schlinger/Winder
Rankhilfe: erforderlich; beispielsweise senkrechte Stäbe, Seile oder geeignete Rankgitter
Blüte: etwa Juni bis August; weißlich-gelb bis rötlich und besonders abends intensiv duftend
Nutzen für Tiere: Die duftenden Blüten sind insbesondere für nachtaktive Insekten interessant. Später entstehen rote Früchte, die von Vögeln gefressen werden können. Dichtes Geäst bietet zusätzlich Deckung.
Geeignet für: Pergolen, Lauben, Zäune, Rankgitter und Hauswände mit Rankhilfe.
Wichtig bei der Pflanzung:
Das Wald-Geißblatt braucht genügend Raum und eine stabile Rankhilfe. Seine windenden Triebe sollten gelenkt und von Fenstern, Dachrinnen und anderen Bauteilen ferngehalten werden. Für extrem trockene, heiße Hauswände ist die heimische Waldart nicht meine erste Wahl. Die natürlichen Standortansprüche sollten berücksichtigt werden.
Standort: am liebsten halbschattig; besonders wohl fühlt sie sich an lichten, nicht zu heißen Standorten. Sie bevorzugt frische bis mäßig trockene, eher basenreiche Böden.
Wuchs: mehrjährige, sommergrüne Kletterpflanze mit etwa 50–200 cm langen, niederliegenden oder kletternden Trieben.
Kletterart: Ranker mit verzweigten Blattranken.
Rankhilfe: feine Gitter, Drähte, Zweige oder andere dünne Strukturen, an denen sich die Ranken festhalten können.
Blüte: Juni bis August. Die weißen, violett gezeichneten Blüten stehen in lockeren Trauben.
Nutzen für Tiere: Die Wald-Wicke ist trotz ihres eher unscheinbaren Auftretens eine erstaunlich wertvolle Insektenpflanze. Ihre Blüten werden von zahlreichen Wildbienen besucht – NaturaDB nennt 68 Wildbienenarten, darunter 21 spezialisierte Arten. Auch für Schmetterlinge ist sie interessant: 23 Raupenarten, darunter sechs spezialisierte, nutzen die Pflanze. Hinzu kommen Schwebfliegen und Käfer. Ihr Nektarangebot wird als hoch eingestuft, während sie vergleichsweise wenig Pollen bietet.
Geeignet für: niedrigere Rankgitter, Zäune und naturnahe Kletterstrukturen. Durch ihren überschaubaren Wuchs eignet sie sich besonders dort, wo Hopfen oder Waldrebe zu mächtig würden.
Wichtig bei der Pflanzung: Die Wald-Wicke ist keine Pflanze für eine mehrere Meter hohe Hausfassade. Sonnige Standorte sind möglich, eine heiße und extrem trockene Südwand entspricht jedoch nicht ihrem natürlichen Lebensraum. Besonders gut passt sie an lichte, naturnahe Säume und kleinere Rankstrukturen.
Besonderheit: Die Wald-Wicke ist in Deutschland einheimisch und bundesweit als ungefährdet eingestuft. Gerade die Verbindung aus kleinem Platzbedarf und hohem Wert für spezialisierte Insekten macht sie für naturnahe Gärten besonders interessant.