Ein Paddock Trail besteht aus Wegen, Futterstellen, Ruhebereichen und Weideflächen. Doch auch die Flächen dazwischen verdienen unsere Aufmerksamkeit.
In dichten Hecken finden Amseln und Grasmücken geschützte Nistplätze. Wildbienen besuchen die Blüten von Weiden, Wildrosen und heimischen Kräutern. Unter Laub und abgestorbenem Holz leben Asseln, Käfer, Tausendfüßer und zahlreiche weitere kleine Tiere. Sie zerkleinern abgestorbenes Pflanzenmaterial oder ernähren sich von anderen Kleintieren.
Viele dieser Tiere sind wiederum Nahrung für Vögel, Amphibien und andere Gartenbewohner.
So hängen Pflanzen, Bodenleben, Insekten und Vögel eng miteinander zusammen. Und genau diese Zusammenhänge möchten wir bei der Gestaltung unseres Paddock Trails berücksichtigen.
Auf dem Weidenhof betrachten wir nicht nur die Flächen, auf denen sich unsere Pferde bewegen. Auch die Bereiche entlang der Zäune, zwischen den Wegen und an den Grundstücksgrenzen gehören für uns zur Gestaltung.
Dort pflanzen wir heimische Bäume und Sträucher, lassen geeignete Wildpflanzen wachsen und erhalten geschützte Bereiche, in denen sich Tiere ungestört aufhalten können.
Nicht jede Fläche muss für unsere Pferde immer erreichbar sein. Manche Pflanzen benötigen Schutz vor Verbiss, während andere gezielt so gepflanzt werden, dass unsere Pferde an geeigneten Zweigen und Blättern knabbern können.
Auch bei der Pflege unterscheiden wir zwischen den intensiv genutzten Pferdebereichen und den Flächen für Wildtiere. Wege und Futterstellen müssen sicher und gut nutzbar bleiben. In geschützten Randbereichen dürfen dagegen abgestorbene Pflanzenstängel über den Winter stehen bleiben, Laub liegen bleiben und Wildpflanzen ihre Samen ausbilden.
Bei der Auswahl unserer Pflanzen achten wir nicht nur auf ihre Eignung für Pferde, sondern auch auf ihren ökologischen Wert.
Die Salweide gehört zu den wichtigen frühen Nahrungsquellen für Wildbienen und andere blütenbesuchende Insekten. Ihre Blüten liefern bereits im zeitigen Frühjahr Pollen und Nektar.
Schlehe und Weißdorn bieten mit ihren Blüten Nahrung für zahlreiche Insekten. Später tragen sie Früchte, die von verschiedenen Vogelarten gefressen werden. Ihre dichten, bedornten Zweige bieten außerdem geschützte Brutplätze. Diese Vögel wiederum gehen auf die Jagd nach stechenden und schwirrenden Insekten, was nun unseren Pferden direkt zugute kommt.
Zwischen den Gehölzen ergänzen heimische Gräser und Wildkräuter das Nahrungsangebot. Glockenblumen versorgen beispielsweise spezialisierte Wildbienen mit Pollen. An Brennnesseln entwickeln sich die Raupen verschiedener Schmetterlingsarten.
Dabei achten wir auf unterschiedliche Blütezeiten. Vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst sollen Insekten geeignete Nahrungspflanzen finden.
Nicht nur blühende Pflanzen sind für die Artenvielfalt wichtig.
In abgestorbenem Holz entwickeln sich die Larven verschiedener Käferarten. Pilze und andere Organismen bauen das Holz langsam ab. Unter liegendem Totholz finden Asseln, Laufkäfer und weitere Kleintiere feuchte, geschützte Aufenthaltsorte.
Auch Laub gehört dazu. Regenwürmer und andere Bodenorganismen tragen dazu bei, abgestorbene Blätter zu zersetzen. Dabei werden Nährstoffe wieder verfügbar und organische Substanz gelangt in den Boden.
Abgestorbene Pflanzenstängel bleiben an geeigneten Stellen über den Winter stehen. Einige Wildbienenarten nutzen markhaltige oder hohle Stängel zur Anlage ihrer Brutzellen oder als Überwinterungsplatz.
Solche Strukturen legen wir außerhalb der Pferdewege an. So bleiben sie vor Trittbelastung geschützt und es kann sich das Leben darin ungestört entwickeln.
Wer einen Paddock Trail plant oder umgestaltet, sollte deshalb nicht nur überlegen, wo Wege, Futterplätze und Unterstände entstehen.
Ebenso wichtig ist die Frage, welche vorhandenen Strukturen erhalten bleiben können. Eine alte Hecke, ein gewachsener Baum oder ein ungestörter Randstreifen lässt sich nicht ohne Weiteres durch eine Neupflanzung ersetzen.
Wo neue Pflanzungen sinnvoll sind, wählen wir heimische Arten passend zu Licht, Boden und Feuchtigkeit. Dabei berücksichtigen wir immer, ob die Pflanzen für Pferde erreichbar sind und ob von ihnen eine Gefahr ausgehen könnte.
Für uns gehören Pferdehaltung und Naturschutz zusammen. Unsere Pferde nutzen die Wege und Aufenthaltsbereiche, während in den geschützten Flächen daneben Wildbienen ihre Brutzellen anlegen, Vögel ihre Jungen aufziehen und zahlreiche kleine Tiere im Boden und zwischen den Pflanzen leben.
Wir gestalten unseren Paddock Trail für unsere Pferde. Aber wir denken dabei auch an die Tiere, mit denen wir diesen Lebensraum teilen.