Hallo, ich bin Polly, eine Frühlings-Pelzbiene.
Auf den ersten Blick könntest du mich fast für eine kleine Hummel halten. Mein Körper ist dicht behaart und ich bin eine ziemlich flinke Fliegerin.
Mein richtiger Name ist Frühlings-Pelzbiene – Anthophora plumipes.
Und obwohl Sandy und ich unsere Kinderzimmer beide in Erde bauen können, gibt es einen spannenden Unterschied:
Sandy gräbt ihr Nest von der Bodenoberfläche nach unten.
Ich kann meine Nester auch waagerecht in feste Lehm- und Erdwände bauen.
🌱 Im Frühling geht es los
Polly gehört zu den Wildbienen, die früh im Jahr unterwegs sind.
Die Männchen erscheinen zuerst. Sie können ungefähr drei Wochen vor den Weibchen unterwegs sein und fliegen auf der Suche nach Weibchen und Blüten durch den Garten.
Wenn auch die Weibchen erscheinen, beginnt bald der Nestbau.
🌸 April und Mai – jetzt hat Polly viel zu tun
Jetzt kannst du die Weibchen besonders gut beobachten.
Polly fliegt immer wieder zwischen ihrem Nest und den Blüten hin und her. Sie braucht Nahrung für sich selbst – und sie sammelt Pollen und Nektar für ihren Nachwuchs.
Dabei ist sie eine erstaunlich schnelle und geschickte Fliegerin.
Polly kann ihre Nester zum Beispiel in festen Lehm-, Löss- oder Erdwänden anlegen.
Auch alte Mauern können interessant sein, wenn sie geeignete weiche Lehm- oder Mörtelfugen besitzen.
Mit ihren Mundwerkzeugen und Beinen arbeitet Polly das Material heraus und gräbt selbst einen Gang hinein.
An besonders geeigneten Stellen können viele Frühlings-Pelzbienen dicht nebeneinander nisten.
Das sieht fast so aus, als würden sie zusammen wohnen.
Aber:
Jedes Weibchen baut und versorgt nur sein eigenes Nest.
Hinter dem kleinen Nesteingang führt ein Gang in die Wand hinein. Dieser kann sich im Inneren verzweigen.
Dort legt Polly ihre einzelnen Brutzellen an.
Die Kinderzimmer liegen gar nicht besonders tief in der Wand. Häufig befinden sie sich nur ungefähr 3 bis 5 Zentimeter hinter der Oberfläche.
Die Innenseite einer Brutzelle wird sorgfältig geglättet und mit einem Sekret ausgekleidet. Dadurch ist die empfindliche Brut besser geschützt.
Dann bringt Polly Nahrung hinein.
Der Vorrat besteht aus Pollen und Nektar. Daraus entsteht ein weicher bis teilweise flüssiger Nahrungsvorrat für die junge Larve.
Polly legt ein Ei dazu und verschließt anschließend die Brutzelle.
Aus dem Ei schlüpft eine Larve. Sie frisst den vorbereiteten Vorrat und wächst in ihrem geschützten Kinderzimmer heran.
Polly ist nicht auf eine einzige Pflanzenart angewiesen.
Das ist praktisch, denn im Frühjahr kann sie dadurch viele verschiedene Blüten besuchen.
Mit ihrem langen Rüssel kommt sie außerdem an den Nektar tiefer Blüten heran.
Zu den Pflanzen, an denen die Frühlings-Pelzbiene tatsächlich beim Pollensammeln beobachtet wurde, gehören zum Beispiel:
Lungenkraut, Beinwell, Gundelrebe, Rote und Weiße Taubnessel, Kriechender Günsel, Gamander-Ehrenpreis, Hohe Schlüsselblume und Hohler Lerchensporn.
Sogar einige Gartenpflanzen werden genutzt.
Für Polly ist deshalb ein Garten besonders wertvoll, in dem vom zeitigen Frühjahr bis in den Frühsommer hinein immer wieder neue Blüten aufgehen.
Für Polly muss es nicht unbedingt ein klassisches Wildbienenhotel sein.
Viel interessanter kann eine sonnige offene Stelle aus festem Lehm oder geeignetem Erdmaterial sein.
Auch eine alte Lehmwand kann ein wertvoller Nistplatz sein.
Wenn dort bereits kleine Löcher zu sehen sind, heißt es:
Nicht einfach zuspachteln!
Beobachtet die Stelle lieber aus etwas Entfernung. Vielleicht entdeckt ihr eine Pelzbiene, die immer wieder dasselbe Loch anfliegt.
In eurem Garten gibt es keine Lehmwand?
Dann könnt ihr selbst einen kleinen Nistplatz für Pelzbienen bauen.
Dafür braucht ihr gar keine riesige Wand. Schon eine kleine, sonnige Steilfläche aus geeignetem Lehm- oder Erdmaterial kann Wildbienen einen Platz zum Graben bieten.
Wichtig ist, dass das Material fest genug ist, damit die selbst gegrabenen Gänge nicht zusammenfallen – aber nicht so hart, dass die Bienen darin nicht graben können.
Die Vorderseite bleibt senkrecht und offen. Sie sollte nicht bepflanzt, verputzt oder mit einem Gitter abgedeckt werden.
Und dann heißt es warten und beobachten.
Vielleicht entdeckt irgendwann eine Pelzbiene eure kleine Wand und beginnt dort selbst zu graben.
Das Spannende daran: Ihr baut Polly kein fertiges Kinderzimmer. Ihr gebt ihr nur den richtigen Baustoff – bauen muss sie selbst.
👉 So baut ihr eine kleine Wildbienen-Steilwand
Die Frühlings-Pelzbiene hat nämlich einen bekannten Gegenspieler: die Gemeine Trauerbiene (Melecta albifrons).
Sie baut kein eigenes Nest, sondern nutzt die bereits angelegten Nester von Pelzbienen für ihren Nachwuchs.
Das ist ein bisschen wie beim Kuckuck – nur bei Wildbienen.
Daraus könnten wir später eine kleine Entdeckergeschichte „Wer besucht Pollys Kinderzimmer?“ machen.
Wenn Polly im Sommer längst nicht mehr durch den Garten fliegt, geht das Leben in ihren Kinderzimmern weiter.
Aus dem Ei wird eine Larve. Die Larve frisst ihren Nahrungsvorrat, wächst und verpuppt sich.
Noch im selben Jahr entwickelt sich daraus eine fertige junge Frühlings-Pelzbiene.
Aber sie kommt noch nicht heraus.
Die fertige junge Biene bleibt den ganzen Winter geschützt in ihrer Brutzelle.
Erst im nächsten Frühjahr verlässt sie ihr Kinderzimmer.
Dann beginnt ein neues Pelzbienenjahr.
Geh einmal mit Pollys Augen durch euren Garten.
Findest du irgendwo eine sonnige Stelle mit festem Lehm oder Erde?
Vielleicht eine kleine Böschung, eine alte Lehmwand oder eine Mauer mit alten Fugen?
Schau dir solche Stellen im Frühjahr aus etwas Entfernung genauer an.
Entdeckst du kleine runde Löcher?
Und fliegt vielleicht immer wieder eine pelzige Biene hinein und heraus?
Dann hast du vielleicht Pollys Kinderzimmer entdeckt.