Weidenhof Worpswede

Natur in Haus und Garten
 

Ein Mini-Sandarium anlegen – einfach und mit wenig Platz


Sandbiene im selbstgegrabenen Gang

Viele Wildbienen nisten nicht in einem Insektenhotel, sondern im Boden. Rund zwei Drittel der heimischen Wildbienenarten legen ihre Nester in der Erde an. Dabei sind ihre Ansprüche sehr unterschiedlich: Manche bevorzugen Sand, andere Lehm oder Löss, lockeren oder festeren Boden sowie unterschiedlich stark bewachsene Flächen.
Als wir uns damit beschäftigt haben, wie wir auf dem Weidenhof mehr Nistmöglichkeiten für bodennistende Wildbienen schaffen können, sind wir auf viele Sandarien gestoßen. Die waren allerdings häufig ziemlich groß und mit viel Erdarbeit, Material und Platz verbunden.
Allein beim Lesen der Anleitungen wurden wir schon ein bisschen müde.
Geht das nicht auch einfacher?
Eine kleine Variante, die sich auch in einem bestehenden Garten unterbringen lässt, wenig kostet und mit vorhandenen Materialien gebaut werden kann?
Unsere Idee: ein Mini-Sandarium aus einem alten Blumentopf.

Alter großer Blumentopf für ein Mini-Sandarium

Was ihr dafür braucht

Einen großen alten Blumentopf oder ein anderes geeignetes Pflanzgefäß, bindigen Sand, einen Spaten und ein paar Steine und Äste – viel mehr braucht es für unseren Versuch nicht.

Unser Topf war bereits vorhanden. Deshalb lagen die Materialkosten bei uns tatsächlich bei 0 Euro.
Arbeitszeit: ungefähr eine Stunde.
Na gut – mit Pause eher zwei.

Okay, ich bin ehrlich- eher 3- es war eine lange Pause. 

Boden eines Blumentopfes für das Mini-Sandarium entfernen

1. Den Boden des Blumentopfes entfernen

Zuerst haben wir den Boden des Blumentopfes großzügig entfernt.

Das ist bei unserer kleinen Konstruktion besonders wichtig. Der Topf ist nur ungefähr 30 cm tief. Durch die offene Unterseite endet der mögliche Nistraum nicht am Topfboden, sondern geht in den darunterliegenden natürlichen Boden über.
Wie tief Wildbienen tatsächlich graben, unterscheidet sich je nach Art erheblich. Verschiedene Arten und Gattungen zeigen sehr unterschiedliche Neststrukturen und Tiefen. Optimal ist eine Tiefe von bis zu 60cm.  


2. Einen sonnigen Platz suchen

Bodennistende Wildbienen brauchen vor allem offene Bodenstellen. Für eine Sandfläche eignet sich ein möglichst sonniger und warmer Standort.
Wir haben unseren Topf direkt in ein vorhandenes Beet eingegraben.
Das gefällt uns an dieser Lösung besonders gut: Die festen Seiten des Topfes grenzen die Sandfläche von der umgebenden Gartenerde ab. Gleichzeitig können wir im Beet rundherum arbeiten, ohne ständig in die offene Fläche zu treten.

3. Den richtigen Sand auswählen

Drückprobe mit bindigem Sand für ein Wildbienen-Sandarium

Hier lohnt es sich, genauer hinzusehen. Nicht jeder Sand ist geeignet.
Für viele Arten ist ein leicht bindiger Sand besser geeignet als loser, gewaschener Sand. Die feinen Bestandteile sorgen dafür, dass selbst gegrabene Gänge nicht sofort wieder zusammenfallen. Ist der Sand nicht in sich selbst fest, kann man Baulehm in geringer Menge untermischen. 

Eine einfache Orientierung ist die Drückprobe: Etwas feuchten Sand kräftig in der Hand zusammendrücken. Bleibt er anschließend einigermaßen in Form, besitzt er eine gewisse Bindigkeit.
Dabei gilt allerdings nicht: Je mehr Lehm, desto besser. Sehr toniges Material kann nach dem Trocknen so hart werden, dass grabende Wildbienen es kaum bearbeiten können.

Sand im eingegrabenen Blumentopf für das Sandarium festklopfen

4. Sand einfüllen und festklopfen

Jetzt wird der Topf mit dem Sand gefüllt.
Wir haben ihn anschließend ordentlich festgeklopft.
Das Substrat soll stabil genug sein, damit darin gegrabene Gänge bestehen bleiben. Bei größeren Sandarien empfiehlt sich ein schichtweises Einfüllen und anschließendes Festtreten oder Festklopfen.


5. Steine und Totholz dazugeben

Mini-Sandarium mit offener Sandfläche, Steinen und Totholz

Und dann kommt der schönste Teil: das Gestalten.
Wir haben einige Steine und abgestorbene Äste auf die Fläche gelegt. Bei uns erfüllen sie gleichzeitig einen ganz praktischen Zweck: Sie sollen Katzen und Hühner davon abhalten, die Sandfläche für ihre eigenen Vorstellungen von Gartengestaltung zu nutzen.
Wichtig ist, dass trotzdem genügend offene und unbewachsene Bodenfläche erhalten bleibt. Viele bodennistende Arten benötigen genau solche offenen Stellen.
Markhaltige Pflanzenstängel können zusätzlich einen ganz anderen Nistplatz bieten: Einige Wildbienenarten nutzen solche Stängel anstatt des Bodens. Damit entstehen auf kleinem Raum unterschiedliche Strukturen.


Fertig – und dann heißt es beobachten

Fertiges Mini-Sandarium für Wildbienen in einem naturnahen Blumenbeet

Unser Mini-Sandarium steht sonnig zwischen den Pflanzen und fügt sich inzwischen ganz selbstverständlich in das Beet ein.
Und dann kam die schönste Überraschung:
Bereits zwei Wochen später entdeckten wir den ersten Bewohner.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes neu angelegte Sandarium so schnell angenommen wird. Ob und welche Wildbienen eine künstlich geschaffene Sandfläche nutzen, hängt unter anderem von den vorhandenen Arten, dem Boden, der Umgebung und dem Nahrungsangebot ab und lässt sich nicht vorhersagen.


Sandarium ist nur ein Teil von Wildbienenschutz

Wildbiene als Beispiel für bodennistende Wildbienen

Unser Mini-Sandarium ist nur ein kleiner Baustein.
Nicht alle bodennistenden Wildbienen wollen in Sand nisten. Manche bevorzugen lehmige Böden, andere sandige Böden, offene Flächen, Böschungen oder nur schütter bewachsene Stellen. Manchmal ist deshalb eine bereits vorhandene kahle Stelle im Garten wertvoller als eine eigens gebaute Nisthilfe.
Und ein Nistplatz allein reicht nicht. Entscheidend ist auch, dass in der Umgebung genügend geeignete Blüten und damit Pollen und Nektar vorhanden sind.
Deshalb schauen wir auf dem Weidenhof zuerst, was bereits da ist: Sand, offene Erde, Totholz, markhaltige Stängel und unbewachsene Stellen. Nicht alles muss neu gekauft oder eigens gebaut werden.
Unser Mini-Sandarium zeigt vor allem eines:
Naturnaher Garten muss nicht immer groß, teuer und kompliziert sein. Manchmal reicht ein alter Blumentopf, ein bisschen Sand und die Bereitschaft, etwas auszuprobieren.