Weidenhof Worpswede

Natur in Haus und Garten
 

Sandarium & Wildbienenheime

Wildbienen brauchen unterschiedliche Lebensräume


Heimische Wildbiene als Beispiel für die Artenvielfalt im naturnahen Garten

Wildbienenhotels gehören inzwischen fast selbstverständlich zum naturnahen Garten. Doch Wildbienenschutz bedeutet mehr, als möglichst viele Niströhren an einer Stelle anzubieten.
Unsere heimischen Wildbienen haben sehr unterschiedliche Ansprüche an ihre Nistplätze. Manche nutzen vorhandene Hohlräume, andere nagen ihre Nester in markhaltige Pflanzenstängel oder morsches Holz. Etwa 75 % unserer heimischen Wildbienenarten nisten im Boden. Sie benötigen offene Bodenstellen, Sandflächen, Böschungen oder Abbruchkanten.
Deshalb möchten wir auf dem Weidenhof nicht einzelne Arten möglichst stark fördern, sondern unterschiedliche Lebensräume schaffen und erhalten.

Jeder Lebensraum ist ein kleines Ökosystem

Goldwespe auf Holz als Teil der natürlichen Lebensgemeinschaft im Wildbienenlebensraum

Wo ein neuer Lebensraum entsteht, profitieren nicht nur die Tiere, für die wir ihn ursprünglich angelegt haben. Nach und nach können sich ganz unterschiedliche Arten ansiedeln. Sie nutzen dieselben Strukturen und sind durch Nahrung, Fortpflanzung und natürliche Gegenspieler miteinander verbunden.
Ein faszinierendes Beispiel sind z.B. Goldwespen. Einige Arten sind für ihre Fortpflanzung auf bestimmte andere Hautflügler angewiesen. Wo ihre Wirte keinen geeigneten Lebensraum mehr finden, fehlt damit auch den von ihnen abhängigen Goldwespen die Lebensgrundlage.
Was zunächst wie ein unerwünschter Parasit erscheinen mag, ist tatsächlich Teil eines komplexen natürlichen Geflechts.
Naturschutz bedeutet deshalb für uns nicht, einzelne ausgewählte Arten zu vermehren. Wir möchten Lebensräume schaffen, in denen sich möglichst vielfältige Lebensgemeinschaften entwickeln können.

Ein Lebensraum besteht nicht nur aus einem Nistplatz

Glockenblumen-Scherenbiene auf einer Glockenblume bei der Pollensuche

Ein Sandarium, Totholz oder eine Nisthilfe kann Wildbienen einen Platz für ihre Nester bieten. Doch damit allein ist noch kein vollständiger Lebensraum geschaffen.
Wildbienen benötigen neben einem geeigneten Nistplatz auch die passenden Pflanzen in erreichbarer Nähe. Gerade bei spezialisierten Wildbienenarten wird deutlich, wie eng Pflanzen und Tiere miteinander verbunden sind.
Ein schönes Beispiel ist die winzige Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi). Sie nistet oberirdisch in vorhandenen Hohlräumen, beispielsweise alten Käferfraßgängen im Totholz. Auch geeignete Nisthilfen werden angenommen. Für die Versorgung ihrer Brut sammeln die Weibchen ihren Pollen jedoch ausschließlich an Glockenblumen und nah verwandten Pflanzen aus der Familie der Glockenblumengewächse. Dabei werden auch hier einheimische Sorten bevorzugt. 
Eine Nisthilfe ohne die passenden Pflanzen in der Umgebung ist für diese Wildbiene deshalb nur die halbe Wohnung – die Speisekammer fehlt.
Zu ihren Pollenpflanzen gehören beispielsweise die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), die Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium), die Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus) und die Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata). Glockenblumen sind darüber hinaus für mehrere weitere spezialisierte Wildbienenarten unverzichtbare Pollenquellen.
Genau deshalb betrachten wir auf dem Weidenhof Nistplatz, Nahrungspflanzen und die umgebenden Strukturen gemeinsam. Erst ihr Zusammenspiel ermöglicht einen Lebensraum, in dem sich unterschiedliche Arten ansiedeln und miteinander verflochtene Lebensgemeinschaften entwickeln können.


Erhalten ist oft besser als neu bauen

Bevor wir neue Lebensräume anlegen, lohnt sich ein genauer Blick auf das, was bereits vorhanden ist.
Eine offene sandige Bodenstelle, eine kleine Abbruchkante, ein alter Baumstamm, Totholz, eine wenig bewachsene Böschung oder trockene Pflanzenstängel mögen auf den ersten Blick unscheinbar wirken. Für Wildbienen und viele andere Tiere können sie jedoch längst ein wertvoller Lebensraum sein.
Ein bestehender Lebensraum ist häufig wertvoller als eine neu gebaute Nisthilfe. Denn dort haben sich möglicherweise bereits über Jahre Pflanzen, Tiere und andere Organismen angesiedelt und Beziehungen untereinander entwickelt.
Naturschutz beginnt deshalb für uns nicht mit dem Bauen, sondern mit dem Hinschauen:
Was ist schon da? Wer könnte hier bereits leben? Und muss diese vermeintlich „unordentliche“ Ecke wirklich verändert werden?
Erst wenn geeignete Strukturen fehlen, können wir gezielt neue schaffen – beispielsweise mit einem Sandarium, Totholz, offenen Bodenstellen oder stehen gelassenen Pflanzenstängeln.
Nicht jeder Lebensraum muss von uns gebaut werden. Manchmal besteht die beste Hilfe darin, einen vorhandenen einfach in Ruhe zu lassen.

Mini-Sandarium anlegen



Hohle Stängel waagerecht

Wildbienen wie die Mauerbiene siedeln oft in waagerechten Stängel und anderen Hohlräumen. Diese werden regen- und windgeschützt an einer sonnigen Stelle angebracht.
Geeignet ist Schilf, Knöterich, Bambus und andere hohle und stabile Stängel.
Hier ist weniger mehr. In der Natur sind Wildbienen solitär lebend. Jede Biene hat ihr eigenes Zuhause. Wenn wir dies in unseren Insektenheimen nachahmen, erhöhen wir die Lebensqualität und senken das Risiko für Parasiten und Fressfeinde.

markhaltige und hohle Stängel senkrecht

Wildbienen wie die Maskenbiene, Blattschneiderbiene, Löcherbiene und viele weitere nutzen diese Heime. Dafür werden einfach nach dem Verblühen die Stängel der Pflanzen abgeschnitten oder umgebrochen, so dass ein einzelner Stängel stehenbleibt. Dieser wird meist im Spätsommer besiedelt, im Frühjahr darauf schlüpft der Nachwuchs. Gut geeignet sind: Holunder, Brom- und Himbeere, Herzgespann, Königskerze, Wildrose, Schilf, Diestel und Beifuß.

Steilwand


Pelzbienen, Seidenbienen, Schmalbienen und andere siedeln gern in Steilwänden. Diese sind in der Natur immer weniger zu finden, so dass wir hier besonders wertvollen Lebensraum schaffen können.
In sonniger und regengeschützter Südausrichtung werden z.B. Tonröhren (mind.20-30cm tief) aufeinandergestapelt und mit einem Lehm-Feinsandgemisch befüllt. Diese werden beim Befüllen schichtweise festgestampft und hingelegt. Ein paar Löcher, mit einem dünnen Zweig dienen als Einladung, die Bienen graben selbstständig weiter.

Sandarium

Sandbienen, Schmalbienen und Maskenbienen graben gern ihre Brutgänge im Boden. Hierfür benötigen sie eine offene, warme Fläche, die größtenteils frei von Bewuchs ist. Wenn wir auf kleiner Fläche unterstützen möchten, nutzen wir mind. 40x40x40cm. Möglich ist dies auch mit z.B. einem Tontopf, bei dem der Boden entfernt wird, damit Wasser abfließen kann und die Biene ggf. Tiefer graben kann. Als Substrat ist gut ein Sand-Lehm Gemisch geeignet, aber auch feste Erde oder ein Gemisch davon wird je nach Art angenommen. 

Totholz

Wildbienen wie die blaue Holzbiene suchen gezielt nach morschem
Holz.
Abgestorbene, sonnenbeschienene Bäume sind ihr bevorzugter Lebensraum.
Dort bauen sie ihre Bruthöhlen, die bis zu fingerdick werden können und gut 30cm in die Tiefe reichen.
Auch für eine Vielzahl von Käfern ist Totholz überlebenswichtig. Am Anfang der Nahrungskette sind sie unverzichtbar für Vögel und Kleinsäuger.
Hier schaffen wir ein unglaublich wertvolles Habitat, wenn wir Totholz stehen lassen können.